Krasnopil ist ein Dorf im Rajon Berdytschiw der Oblast Schytomyr, auf den historischen Landschaften Wolhyniens, und das Zentrum der Hromada Krasnopil. Laut der Volkszählung von 2001 lebten hier 1226 Einwohner. Einst war dies ein bedeutendes Handelsstädtchen: Unter den Fürsten Ostrogski, an der Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert, war Krasnopil für seinen Handel bekannt, und Überlieferungen zufolge gab es hier 12 orthodoxe Kirchen. Tatareneinfälle brachten dem Städtchen jedoch schwere Zerstörungen — nach einem von ihnen verlor es seinen Status als Handelszentrum endgültig und verwandelte sich schrittweise in ein Dorf.

Heute ist Krasnopil nicht für seine Einwohnerzahl bekannt, sondern für die Kirche des Heiligen Michael, die mitten im Dorfzentrum steht. Dieses neugotische Gebäude ist eine architektonische Perle der Region und ein potenzieller touristischer Magnet, der leider weitgehend unbekannt bleibt.

Historische Wurzeln von Krasnopil

Jahrhundertelang ging Krasnopil von einem Adelsgeschlecht zum anderen über. Es war im Besitz der Familien Ostrogski, Zaslawski, Lubomirski und Sanguszko, und 1717 übergaben die Sanguszkos das Städtchen an Bartłomiej Giżycki.

Die Familie Giżycki gilt als Initiatorin des Baus des ersten katholischen Gotteshauses. Im Jahr 1751 (anderen Angaben zufolge 1754) wurde hier auf Kosten von Bartłomiej Giżycki eine der Jungfrau Maria geweihte Kirche errichtet. Es gibt eine populäre Legende: Die an Lähmung leidende Ehefrau von Bartłomiej Giżycki wurde geheilt, nachdem sie vor dem als wundertătig geltenden Marienbild gebetet hatte.

Kirche des Heiligen Michael — das architektonische Highlight des Dorfes

Die heutige Backsteinkirche wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts erbaut: Die Bauarbeiten begannen 1902 auf Kosten von Wacław Mazaraki — einem Vertreter eines einflussreichen Geschlechts griechischer Herkunft, das das Gut um 1880 erworben hatte. Das Gotteshaus wurde am 29. September 1906 geweiht.

Die Michaelskirche wurde im Stil der Neugotik erbaut — einem Baustil, der in ländlichen Gebieten selten zu finden ist. Hohe Spitzbögen, Buntglasfenster, die vertikalen Linien der Fassade und dekorative Details erinnern an europäische Kathedralen, doch der Maßstab des Bauwerks entspricht ländlichen Verhältnissen. Dies ist eines der markantesten Beispiele für Neugotik in der Region.

Die Besitzer des Gutes

Nach den Giżyckis ging das Gut an ihre Verwandten, die Oskierkos, über. Später wurde Wacław Mazaraki der Besitzer, unter dem das Gotteshaus seine heutige Gestalt erhielt.

Ende des 18. Jahrhunderts baute Kajetan Giżycki in Krasnopil einen Palast, der venezianische und gotische Motive verband. Im Jahr 1917 wurde der Palast niedergebrannt und existiert heute nur noch als Erwähnung in historischen Quellen.

Die Kirche in der Sowjetzeit

In der Sowjetzeit verlor das Gotteshaus seine Bestimmung: Es wurde für wirtschaftliche Zwecke umfunktioniert. In den Räumlichkeiten befanden sich eine Mühle, eine Schmiede, eine Traktorenbrigade und Lager. Das Gebäude erfuhr erhebliche Veränderungen und stand später leer, wodurch es allmählich verfiel.

Aktueller Zustand und Pläne für die Restaurierung

Nach der Wiederherstellung der Unabhängigkeit der Ukraine wurde die Kirche an die römisch-katholische Kirche zurückgegeben. Heute wird sie von der örtlichen Pfarrei betreut, und die ersten Restaurierungsarbeiten haben bereits begonnen. Wegen begrenzter Finanzmittel schreitet der Prozess langsam voran, aber es gibt Pläne, das Bauwerk für Gottesdienste und kulturelle Veranstaltungen vollständig wiederherzustellen.

Dies könnte ein beachtlicher Schritt für die Entwicklung des Tourismus sein: Die Architektur der Michaelskirche ist in der Lage, Reisende, Forscher sakraler Architektur und Pilger anzuziehen.

Das touristische Potenzial von Krasnopil

Krasnopil ist ein Beispiel für ein Dorf mit einer unglaublichen Geschichte: von einem alten Handelsstädtchen zu einer modernen kleinen Siedlung, die die historischen Schichten der Vergangenheit bewahrt hat. Die Michaelskirche vereint:

  • einzigartige neugotische Architektur;
  • historischen Wert;
  • Legenden und Volkssagen;
  • Potenzial für den religiösen Tourismus.

Die Restaurierung des Gotteshauses und die Entwicklung der touristischen Infrastruktur können Krasnopil zu einem leuchtenden Punkt auf der touristischen Landkarte der Oblast Schytomyr machen.

Wie man dorthin gelangt

Krasnopil liegt etwa 40 km westlich von Berdytschiw und 25 km südlich von Tschudniw. Am bequemsten ist die Anreise mit dem Auto: Öffentliche Verkehrsmittel verkehren hier eher selten. Die Kirche ist schon von Weitem zu sehen — sie steht mitten im Zentrum des Dorfes, sodass die Orientierung leichtfällt.

Ein Ausflug nach Krasnopil lässt sich gut mit anderen Sehenswürdigkeiten der Region Berdytschiw verbinden — zum Beispiel mit dem Karmeliterkloster in Berdytschiw oder mit der Mstyslaw-Mazaraki-Villa im Dorf Rajhorodok, einem weiteren Landsitz der Familie Mazaraki.

Fotos von Roman Malenkow, Serhij Scherbiy.

Neogotische Michaelskirche in Krasnopil
Fassade der Michaelskirche, Krasnopil
Spitzbogenfenster der Kirche in Krasnopil

Häufig gestellte Fragen zu Krasnopil

1. Wo liegt Krasnopil?
Im Rajon Berdytschiw des Gebiets Schytomyr, auf den historischen Landschaften Wolhyniens. Einst war dies ein Handelsstädtchen.

2. Wofür ist Krasnopil bekannt?
Vor allem für die Michaelskirche — ein neogotisches Bauwerk aus dem frühen 20. Jahrhundert.

3. Wann wurde die Michaelskirche gebaut?
Das gemauerte Gotteshaus wurde ab 1902 erbaut und 1906 geweiht. An ihrer Stelle stand zuvor eine Kirche aus der Mitte des 18. Jahrhunderts.

4. Welchen Baustil hat die Kirche?
Neogotik: Spitzbögen, Buntglasfenster und vertikale Linien der Fassade.

5. Wem gehörte Krasnopil?
Den Ostrogskis, Zasławskis, Lubomirskis, Sanguszkos, Giżyńskis, Oskerkas und Mazarakis. Die heutige Kirche wurde von Wacław Mazaraki erbaut.

6. Kann man die Kirche besuchen?
Ja, das Gotteshaus gehört zur römisch-katholischen Kirche und ist teilweise wiederhergestellt. Touristen können das Gebäude und das umliegende Gelände besichtigen; die Restaurierung läuft noch.

7. Welche Legenden sind mit der Kirche verbunden?
Die bekannteste handelt von der Heilung der gelähmten Ehefrau von Bartłomiej Giżyński nach Gebeten vor dem wundertätigen Bildnis der Gottesmutter.

8. Was gibt es sonst noch Interessantes in Krasnopil?
Das Dorf hat Spuren seiner Handels- und Adelsvergangenheit bewahrt. Die Kirche ist das Hauptglanzlicht für Touristen und Pilger.

9. Gibt es touristische Infrastruktur?
Bislang ist sie begrenzt, doch die Wiederherstellung der Kirche eröffnet Potenzial für den Kultur- und religiösen Tourismus.

10. Reisetipps

  • planen Sie Ihre Reise im Voraus wegen der eingeschränkten Verkehrsverbindungen;
  • besuchen Sie unbedingt die Michaelskirche;
  • informieren Sie sich über lokale Legenden, um Ihren Besuch lehrreicher zu gestalten.