Stelle dir Granitfelsen vor, die steil in einen klaren smaragdgrünen See abfallen, und darüber eine Wand aus Kiefern und Birken. Das ist weder Skandinavien noch Karelien, obwohl die Ähnlichkeit verblüffend ist. Es ist der geflutete Granitsteinbruch Wysokyj Kamin beim Dorf Nowohrodezke in der Region Schytomyr — ein ruhiger, noch nicht von Touristen überlaufener Ort zum Baden, für Fotoshootings und zum Übernachten im Zelt, den man von Kiew aus in etwa anderthalb Stunden erreichen kann.

Was das für ein Ort ist

Wysokyj Kamin ist ein ehemaliger Granitsteinbruch, der nach Einstellung des Abbaus mit Grund- und Quellwasser gefüllt wurde und so einen tiefen, sauberen See mit steilen Felsufern bildete. Die steilen Abhänge sind dicht mit Kiefern und Birken bewachsen, die an heißen Sommertagen Schatten spenden, und die Luft duftet nach Nadelholz. Genau diese Kombination aus Granitfelsen, dunklem Wasser und Nordwald ergibt jenes „karelische“ Bild, weshalb die Menschen hierher kommen.

Granitfelsen über dem smaragdgrünen Wasser des Steinbruchs Wysokyj Kamin

Der Steinbruch liegt etwa 10 km von Korosten entfernt, in der Nähe der Dörfer Nowohrodezke und Horodske, in der Gebietsgemeinschaft Starosilez des Rajons Schytomyr. Hier kann man baden, sich sonnen, von den Felsen ins Wasser springen (Vorsicht!), angeln, mit einem Zelt übernachten und natürlich fotografieren — der Ort ist sehr fotogen.

Ein kleines Detail, das zur Atmosphäre beiträgt: In der Nähe gibt es eine Holzplattform, auf der Touristen morgens den Sonnenaufgang begrüßen — manche machen Yoga, andere bewundern einfach die ersten Strahlen über dem Wasser.

Wichtiger Aspekt: ein aktiver Steinbruch in der Nähe

Es ist fair, vor einer Sache zu warnen. Unweit des Sees ist ein aktiver Granitsteinbruch in Betrieb, weshalb es an Werktagen hier nicht völlig ruhig ist und sich Produktionsstaub in der Umgebung verteilt — nach der Anfahrt kann es durchaus passieren, dass man ein Auto vorfindet, das mit einem feinen weißen Film überzogen ist. Rundherum trifft man auch auf riesige „Barchane“ aus Abbauabfällen. Das ist nicht kritisch, aber stellt euch darauf ein, dass dies kein Naturschutzgebiet ist, sondern ein Nebeneinander von Natur und Industrie – was im Grunde den Charakter dieses Ortes ausmacht.

See im gefluteten Steinbruch Wysokyj Kamin inmitten von Kiefern

Nicht mit dem Steinbruch von Korostyshiv verwechseln

Wegen der Nähe und Ähnlichkeit wird Wysokyj Kamin oft mit dem benachbarten, bekannteren Canyon von Korostyshiv verwechselt — das sind verschiedene (wenn auch benachbarte) Objekte. Wysokyj Kamin ist ruhiger und weniger beliebt, wer also Einsamkeit sucht, ist hier eher richtig. Und da sie nahe beieinander liegen, lassen sich beide Seen leicht zu einer Wochenendroute verbinden.

Felsige Ufer des Steinbruchs Wysokyj Kamin bei Nowohrodezke

Anreise

  • Mit dem Auto: Über die Schytomyrautobahn (M-06, E40) bis zur Abzweigung nach Nowohrodezke, weiter in Richtung Horodske bis zu einer Weggabelung, an der man links abbiegt. Der Orientierungspunkt sind der Zaun und die technischen Anlagen des aktiven Steinbruchs; der See selbst liegt 200–300 Meter links von der Straße. Er ist von der Straße aus nicht zu sehen, orientiert euch also an den geparkten Autos anderer Urlauber.
  • Mit öffentlichen Verkehrsmitteln: Mit dem Marschrutka aus Kiew (Busbahnhof „Datschna“) über die Schytomyrautobahn für etwa eine Stunde, wenige Kilometer vor Korostyshiv aussteigen; weiter geht es zu Fuß durch das Dorf (planen Sie etwa eine Stunde ein) oder mit dem Taxi ab Korostyshiv, was wesentlich bequemer ist.

Praktische Tipps

  • Keine Infrastruktur: Weder Cafés, Kioske noch Toiletten — nehmen Sie Wasser, Essen und einen Müllbeutel mit.
  • Mit Kindern — Vorsicht: Die Ufer sind steile Granitwände, die Tiefe in der Nähe ist beträchtlich; lassen Sie Kinder nicht unbeaufsichtigt und erlauben Sie keine Sprünge an unbekannten Stellen.
  • Wann man hinfahren sollte: Am besten im Sommer zum Baden; wählen Sie für die Ruhe einen Wochentag oder den Morgen, wenn der aktive Steinbruch weniger aktiv ist.
  • Was in der Nähe ist: Der benachbarte Korostyschiwer Canyon, Korostyschiw mit einem Skulpturenpark sowie das Dorf Horodeske mit dem Flurstück Tscherwona Hora — all das lässt sich leicht zu einem Ausflug verbinden.

Häufig gestellte Fragen

Wo befindet sich der Steinbruch „Wysoky Kamin“?

In der Oblast Schytomyr, etwa 10 km von Korostyschiw entfernt, in der Nähe der Dörfer Nowohorodeske und Horodeske.

Wie lange dauert die Fahrt von Kiew aus?

Ungefähr eine Stunde bis anderthalb Stunden über die Schytomyrautobahn.

Kann man dort baden?

Ja, das ist ein gefluteter Steinbruch mit sauberem Wasser; aber die Ufer sind steile Felsen, seien Sie also vorsichtig.

Gibt es Infrastruktur?

Nein, eine ausgebaute Infrastruktur gibt es nicht — Wasser, Essen und alles Notwendige sollten Sie mitnehmen.

Wdurch unterscheidet sich „Wysoky Kamin“ vom Korostyschiwer Canyon?

Das sind verschiedene benachbarte Objekte; „Wysoky Kamin“ ist ruhiger und bei Touristen weniger beliebt.

Was trübt den Eindruck von dem Ort?

In der Nähe arbeitet ein aktiver Steinbruch, daher gibt es manchmal Lärm und weißem Produktionsstaub, der sich auf Autos absetzt.

Ist es mit Kindern sicher?

Es ist Wachsamkeit geboten: Die Steilufer sind steil, und die Tiefe in Ufernähe ist beträchtlich.