Etwa 19 Kilometer von Korosten entfernt, in den Wäldern nahe dem kleinen Dorf Kupysche, verbirgt sich eine Lichtung, über die man sich seit vielen Jahrzehnten seltsame Geschichten erzählt. Man nennt sie Hromowysche, im Volksmund auch das „Blitznest“. Lokalen Überlieferungen zufolge schlagen bei Gewittern immer wieder Entladungen in fast denselben Bereich des Waldes ein, und außerdem erzählt man sich von einem rätselhaften Leuchten, Auswirkungen auf das Wohlbefinden von Menschen und sogar von antiken Münzen, die angeblich in der polesischen Erde gefunden worden sein sollen.

Dies ist eine Erzählung über einen der geheimnisvollsten Orte der Region Korosten – über Legenden und darüber, wo die Überlieferung aufhört und die Spekulation beginnt. Denn wie es bei solchen Orten oft der Fall ist, ist das Interessanteste hier nicht die garantierte Mystik, sondern das Rätsel selbst.

Die Waldlichtung Hromowysche beim Dorf Kupysche in der Region Korosten

Warum die Lichtung Hromowysche genannt wurde

Das bekannteste Merkmal der Flur ist genau mit Blitzen verbunden. Aussagen von Einheimischen zufolge schlagen elektrische Entladungen bei Gewittern häufig in diesen Waldabschnitt ein – daher auch der Name Hromowysche. In populären Beschreibungen wird die Lichtung als „anomale Zone“ bezeichnet und es wird von Dutzenden Einschlägen pro Stunde geschrieben.

Wissenschaftliche Bestätigungen für eine übernatürliche Anomalie gibt es hier ebenso wenig wie Forschungen, die beweisen würden, dass Hromowysche Blitze öfter anzieht als andere Waldabschnitte. Allerdings erfordert die Physik keine Erfindung von Mystik: Die Lichtung ist ein offener Bereich inmitten hohen Waldes, und solche Orte sind tatsächlich anfälliger für Entladungen. Sich während eines Gewitters auf einer offenen Lichtung aufzuhalten, ist jedoch unabhängig von Legenden gefährlich – weshalb man keinesfalls absichtlich hierherfahren sollte, um „sich Blitze anzusehen“.

Die Legende vom grausamen Gutsbesitzer

Hromowysche hat eine eigene Legende, die seinen üblen Ruf erklärt. Der Überlieferung nach stand an diesem Ort einst das Haus eines wohlhabenden und grausamen Gutsbesitzers, der in der ganzen Umgebung für seine Schikanen gegenüber den Bauern berüchtigt war. Eines Tages, während eines Gewitters, schlug ein Blitz direkt in sein Anwesen ein – das Haus brannte mitsamt dem Besitzer bis auf die Grundmauern nieder. Seitdem, so sagt man, „erinnern“ sich die Blitze an diesen Ort und kehren bei jedem starken Gewitter dorthin zurück.

Dokumente über ein solches Gut just auf dieser Lichtung gibt es nicht, weshalb dies eine klassische lokale Überlieferung und keine erwiesene Tatsache ist – doch genau diese verleiht dem Ort jene unheimliche Romantik, derentwegen neugierige Menschen hierherfahren.

Seltsames Licht im Wald

Ein weiterer Teil der Geschichte von Hromowysche sind Lichterscheinungen. Einheimische und einzelne Besucher erzählten, dass nachts über der Lichtung manchmal ein Flimmern oder ein heller Strahl zu sehen sei, der angeblich aus dem Boden nach oben steige, „als hätte jemand einen unterirdischen Scheinwerfer eingeschaltet“. In touristischen Publikationen wird dies als eines der Hauptgeheimnisse des Ortes dargestellt.

Weder eine wissenschaftliche Erklärung noch dokumentierte Beobachtungen eines solchen Phänomens liegen vor – somit bleiben die Lichtstrahlen Teil der Folklore und des mystischen Rufs der Flur.

Der Wald rund um die Lichtung Hromowysche bei Kupysche

Die Geschichte über Münzen und ein „Kapischtsche“

Der faszinierendste Teil der Legende ist gar nicht mehr mit Blitzen verbunden, sondern mit Archäologie. Einer verbreiteten Version zufolge fanden Teilnehmer einer Suchorganisation, die sich mit namenlosen Gräbern von Soldaten befasste, hier im Jahr 1996 etwa zwei Dutzend alte Kupfermünzen. Spätere Veröffentlichungen behaupteten, dass sich darunter Münzen des Römischen Reiches und des Bosporanischen Reiches befanden – eines antiken Staates auf der Krim –, und genau dies bot Anlass zu Vermutungen über antike Handelsbeziehungen. Man erzählte sich auch, dass Mitte der 1990er-Jahre angeblich eine archäologische Gruppe aus Schytomyr auf der Lichtung gearbeitet und dabei Überreste eines antiken Bauwerks sowie Steinblöcke entdeckt habe.

Und hier ist die wichtigste Einschränkung: In akademischen und offiziellen archäologischen Publikationen sind diese Behauptungen nicht bestätigt. Geschichten über „römische Münzen“, „Platten mit Inschriften in einer unbekannten Sprache“, die Statue eines unbekannten Gottes oder ein antikes Bauwerk sollte man nicht als Beweis für die Existenz einer unbekannten Zivilisation hier betrachten. Genau diese sensationelle Interpretation hat Hromowyschtsche seinerzeit weit über Kupyschtsche hinaus bekannt gemacht.

Es hält sich auch die Hypothese, dass sich auf der Lichtung einst ein heidnisches Heiligtum befand – dafür werden Berichte über Steine und die Ähnlichkeit des Namens des Nachbardorfes Kupyschtsche mit dem Wort „Kapyschtsche“ (Heiligtum) angeführt. Doch die Ähnlichkeit der Namen ist kein archäologischer Beweis; sie ist eher eine interessante Version, die Teil der lokalen Mythologie geworden ist.

Lohnt sich die Fahrt also

Wer hierher kommt, um eine garantierte „anomale Zone“ zu erleben, könnte leicht enttäuscht werden: Mystische Phänomene garantiert hier niemand, und Vegetation, „seltsames Wohlbefinden“ sowie andere „Effekte“ entbehren jeder wissenschaftlichen Bestätigung.

Als wenig bekannter Waldort im Polesien, um den sich über Jahrzehnte hinweg ein ganzer Mix aus Erzählungen, Legenden und unbestätigten archäologischen Geschichten rankt, ist Hromowyschtsche jedoch durchaus einen Blick wert. Das ist genau der Fall, in dem das Rätsel selbst interessanter ist als die Antwort: Ob Blitze hier tatsächlich öfter einschlagen, ob es hier einst ein Heiligtum gab, woher die Geschichten über antike Münzen stammen. Und genau das hält Hromowyschtsche wahrscheinlich am meisten im Gedächtnis der Menschen lebendig.

Gut zu wissen

  • Was es ist: eine natürliche Waldlichtung, eingehüllt in lokale Legenden; kein hergerichtetes touristisches Objekt – es gibt hier weder ein Museum, Wegweiser noch Öffnungszeiten, und grundlegende Geschäfte sowie Dienstleistungen finden sich nur in Kupyschtsche selbst.
  • Wo: beim Dorf Kupyschtsche in der Gemeinde Uschomyr des Rajons Korosten, im Wald unweit des nördlichen Dorfrands.
  • Wichtigste Sicherheitsregel: Nicht während eines Gewitters hierher fahren. So plausibel die Legende vom „Blitznest“ auch sein mag, eine offene Lichtung im Wald während eines Gewitters ist ein wirklich gefährlicher Ort.

Anreise

Kupyschtsche liegt etwa 19 km von Korosten entfernt. Vom Busbahnhof in Korosten fahren Vorortbusse ins Dorf, man kann auch mit dem Taxi oder dem eigenen Auto anreisen. Weiter geht es zu Fuß durch den Wald; der Zustand der Feldwege hängt von der Jahreszeit ab.

Was in der Nähe ist

In Kupyschtsche selbst steht ein Denkmal an der Stelle der Tragödie vom 29. April 1943, als ungarische Besatzer in einer Holzscheune etwa 600 ungarische Juden verbrannten, die als Zwangsarbeiter hierhergebracht worden waren. Das Gedenkzeichen an der Grabstätte wurde 2005 errichtet.

Der Ausflug lässt sich gut mit Korosten verbinden: dem Drewljanen-Park, dem Museum „Skelya“ und anderen Orten im Polesien.

Häufig gestellte Fragen

Warum wird Hromowyschtsche als „Blitznest“ bezeichnet?

Überlieferungen zufolge schlagen Blitze während eines Gewitters häufig in denselben Waldabschnitt ein. Eine Lichtung inmitten eines hohen Waldes ist tatsächlich anfälliger für Entladungen, aber eine „Anomalie“ des Ortes ist nicht bewiesen.

Wurden hier tatsächlich antike Münzen gefunden?

Solche Geschichten existieren – über Münzen aus Rom und dem Bosporanischen Reich, die 1996 gefunden worden sein sollen –, aber offizielle archäologische Publikationen bestätigen sie nicht.

Gab es hier ein heidnisches Heiligtum?

Dies ist eine beliebte Hypothese, die sich auf Berichte über Steine und die Ähnlichkeit des Namens Kupyschtsche mit dem Wort „Kapyschtsche“ stützt, doch es gibt keinen archäologischen Beweis.

Ist es sicher, dorthin zu fahren?

Bei normalem Wetter ist es einfach ein Wald; man darf auf keinen Fall während eines Gewitters dorthin fahren – eine offene Lichtung ist bei Unwetter gefährlich.