Das Dorf Krywe liegt in der Hromada Popilnja des Rajons Schytomyr (bis 2020 Rajon Popilnja), 18 km von Popilnja entfernt. Laut der Volkszählung von 2001 lebten hier 630 Einwohner. Der Weg hierher ist nicht einfach: Am bequemsten ist die Anreise über Brussyliw und Kornyn, obwohl das letzte Stück des Weges von Kornyn nach Krywe zu wünschen übrig lässt. Doch trotz der Transportunbequemlichkeiten birgt das Dorf eine tiefe Geschichte und einzigartige Baudenkmäler.

Die Geschichte des Dorfes und die Familie Jurkewytsch

Als Gründungsjahr von Krywe gilt das Jahr 1618; im Laufe der Jahrhunderte seines Bestehens hat das Dorf verschiedene historische Epochen erlebt. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert lebte hier die bekannte Familie Jurkewytsch, unter der der Arzt Jossyp Jurkewytsch hervorsticht, der in Kiew arbeitete und eine bekannte Persönlichkeit seiner Zeit war.

Im Dorf sind die Überreste des Gutshofs Jurkewytsch inmitten eines malerischen Waldes erhalten geblieben. Leider sind bis heute nur die Ruinen des Haupthauses erhalten geblieben. Über der ehemaligen Veranda ist immer noch ein Schild mit der Aufschrift «Kaschka» (Märchen) zu sehen — eine stumme Erinnerung an die Zeiten, als sich auf dem Gutshof ein Kinderlager befand. Mehr über die Geschichte der Familie und des Anwesens erfährt man aus den Werken des Kiewer Heimatforschers Dmytro Malakow.

Das Volkshaus — eine Perle der ukrainischen Moderne

Das wertvollste architektonische Denkmal von Krywe ist ohne Übertreibung das Volkshaus — ein einzigartiges Beispiel der ukrainischen Moderne, das in den Jahren 1924–1929 errichtet wurde. Das Gebäude wurde auf Initiative und mit Mitteln der ländlichen Genossenschaftsvereinigung errichtet — ein Zeugnis für das hohe Niveau der Selbstorganisation der damaligen Gemeinschaft.

Die Autorschaft des Projekts wird dem Architekten Mykola Damilowskyj zugeschrieben. Diese Version wurde auch von Dmytro Malakow unterstützt, der auf die Ähnlichkeit des Turms des Volkshauses mit den Türmen des Kraftwerks Nischyn hinwies, das von demselben Architekten entworfen wurde. Dies wird auch von dem Architekturforscher Andrij Wlasenko erwähnt.

Das Gebäude beeindruckt durch seine Proportionen, seine Silhouette und seine Details, und vor allem durch seine Fenster. Solche eleganten Rahmen mit Säuleneinfassung sind heute fast nicht mehr erhalten, und genau sie verleihen dem Bauwerk einen besonderen Charme.

Vergessenheit und Verzerrung der Erinnerung

Ursprünglich befand sich am Turm des Volkshauses eine große Uhr, die symbolisch die Zeit der Gemeinschaft maß. Die Erbauer konnten jedoch nicht voraussehen, dass das ukrainische Leben bald durch Kollektivierung, Holodomors und Kriege gebrochen werden würde. Infolgedessen ging nicht nur das materielle, sondern auch das historische Gedächtnis verloren.

Bei Gesprächen mit Anwohnern stellte sich heraus, dass die Mehrheit von ihnen weder den wahren Zweck des Volkshauses noch die Zeit seines Baus kennt. Einige glaubten sogar, das Gebäude sei in den 1970er Jahren errichtet worden — wahrscheinlich wegen der unglücklichen Fliesen, mit denen damals die Fassade verschändet wurde. Leider ist es nicht gelungen, die Dorfbewohner vom wahren historischen Wert des Denkmals zu überzeugen.

Besonders bedauerlich ist, dass diese architektonische Perle nicht in das Denkmalschutzregister eingetragen ist, trotz wiederholter Versuche von Denkmalschützern.

Ein Lichtblick der Hoffnung

In letzter Zeit wurde in einem der Flügel des Volkshauses eine Kirche eröffnet. Dies nährt die vorsichtige Hoffnung, dass das Gebäude nicht endgültig zerstört wird und eine Chance auf ein neues Leben erhält.

Krywe ist ein Beispiel dafür, wie in der Provinz ein wahrer Kulturschatz bewahrt werden kann, der der breiten Öffentlichkeit fast unbekannt ist. Die Geschichte des Dorfes, die Familie Jurkewytsch, die Gutshofruinen und das einzigartige Volkshaus — all dies erfordert Aufmerksamkeit, Erforschung und Erhaltung. In der Nähe, in Kornyn, lohnt es sich, auch die alte Wassermühle zu besichtigen.

Das Volkshaus in Krywe, ein Beispiel der ukrainischen Moderne
Turm des Volkshauses in Krywe
Fassade des Volkshauses in Krywe
Jugendstilfenster des Volkshauses
Volkshaus in Krywe, Seitenansicht

Foto von Roman Malenkow.

Stand Frühjahr 2024 wurden zwei große Jugendstilfenster durch Kunststofffenster ersetzt. Weiter unten folgen Fotos aus dem Jahr 2024.

Volkshaus in Krywe, Jahr 2024
Ersetzte Fenster des Volkshauses, Jahr 2024
Fassade des Volkshauses in Krywe im Jahr 2024
Turm des Volkshauses im Jahr 2024

Foto aus dem Jahr 2024

Ruinen des Gutshauses der Familie Jurkewytsch in Krywe
Überreste des Gutshofs der Familie Jurkewytsch inmitten des Waldes
Veranda des Gutshofs der Familie Jurkewytsch mit der Aufschrift „Kaschka“
Wände des Gutshauses der Familie Jurkewytsch

Überreste des Gutshauses der Familie Jurkewytsch