Im Dorf Hadsynka unweit von Schytomyr ist eines der am wenigsten erforschten sakralen Bauwerke der Region erhalten geblieben — die St.-Michaels-Kirche. Trotz ihres architektonischen und historischen Wertes ist die Kirche sowohl bei Wissenschaftlern als auch in der breiten Öffentlichkeit weitgehend unbekannt. Gleichzeitig ist sie ein wichtiger Teil der Kulturlandschaft von Polesien.
Ein Dorf mit tiefen historischen Wurzeln
Hadsynka, das am Fluss Synka liegt, zeichnet sich nicht nur durch seinen ungewöhnlichen Namen, sondern auch durch eine alte Geschichte aus. Die erste schriftliche Erwähnung des Dorfes stammt aus einer Urkunde vom 15. Mai 1605, in der es Chasynka genannt wird. Der Lustration von 1615 zufolge gehörte das Dorf zur Starostei Schytomyr.
Die hölzerne Michaelskirche wurde noch im Jahr 1885 als Filialkirche unbekannter Bauzeit beschrieben, und der Glockenturm daneben wurde 1878 errichtet. Daher schließen Forscher nicht aus, dass die Kirche älter sein könnte als bisher angenommen. Ihr Alter endgültig zu bestimmen, könnte nur eine wissenschaftliche Expertise — insbesondere eine Radiokohlenstoffdatierung der Holzkonstruktionen —, solche Forschungen wurden jedoch bisher nicht durchgeführt.
Ein Interieur, das die Stille der Jahrhunderte bewahrt
Der Innenraum der Kirche vermittelt das Gefühl, in eine andere Epoche einzutauchen. Niedrige Gewölbe, eingebaute Holzriegel mit feinen Schnitzereien, eine gedämpfte Beleuchtung — all das bildet eine kammerartige, fast häusliche Atmosphäre. Das Interieur erweckt keinen monumentalen Eindruck, sondern unterstreickt stattdessen die Konzentration des Gebets.
Besondere Aufmerksamkeit erregen die Ikonen, die sich organisch in den Raum des Gotteshauses einfügen. Es gibt hier keinen übermäßigen Dekor — nur das, was der Stille, der Einkehr und dem Gedenken dient.
Ein Gotteshaus, das behütet wird
Die St.-Michaels-Geschichte ist ein Beispiel dafür, wie die lokale Gemeinde sich um ihr Erbe kümmern kann, ohne radikale Eingriffe vorzunehmen. Die Bewohner von Hadsynka halten die Kirche in einem ordentlichen Zustand und sind sich ihres Wertes nicht nur als sakrales Bauwerk, sondern auch als historisches Objekt bewusst.
Die Hauptaufgabe für die Zukunft besteht darin, das ursprüngliche Aussehen der Kirche zu bewahren und Rekonstruktionen zu vermeiden, die ihre Authentizität verfälschen könnten. Für solche Denkmäler ist eine zurückhaltende Erhaltung oft die beste Form des Schutzes.
Warum man mehr über Hadsynka sprechen sollte
Vor dem Hintergrund bekannter touristischer Routen in der Region Schytomyr bleibt die St.-Michaels-Kirche in Hadsynka außerhalb des Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit. Gleichzeitig ist sie ein wichtiges Beispiel für die lokale sakrale Architektur von Polesien, die nicht für die Schau, sondern für die Gemeinde geschaffen wurde.
Wie man dorthin gelangt
Hadsynka liegt etwa 13 km nordöstlich von Schytomyr und gehört zur Gemeinde Hlybotschyzja, sodass es bequem ist, während einer Fahrt in die Umgebung des Oblastzentrums mit dem Auto hierher zu kommen.
Solche Orte schreien nicht nach Aufmerksamkeit, aber gerade sie bilden das wahre Gewebe der regionalen Geschichte — leise, tiefgründig und oft unterschätzt.
Fotos: Roman Malenkov, Serhij Schtscherbij


